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Herbularia
Das Online-Kräuterbuch
 
Erntezeit
 
Im Herbst beschenkt uns die Natur noch einmal reichlich, bevor es endgültig in die dunkle und karge Zeit geht. Die über den Sommer gereiften Früchte sind nun erntebereit. Neben den kulinarischen Freuden gibt es auch eine große Menge an „Heilfrüchten“ für unser Wohlbefinden. Einige heute nur noch wenig genutzte Früchte möchte ich Ihnen vorstellen:
Die Früchte der Wildrose (Rosa canina), die Hagebutten leuchten uns im warmen Herbstlicht besonders verführerisch entgegen. Die Verarbeitung ist jedoch mühsam und aufwändig. Die Hagebutte enthält sehr viel Vit. C , je nach Rasse und Standort 500mg – 1300mg/100g, das auch nach dem Trocknen erhalten bleibt, während es die Zitrone nur auf ca. 60mg/100g bringt. Damit war die Hagebutte früher ein wichtiger Vit. C-Lieferant in der kalten Zeit und beugte Mangelkrankheiten wie dem Skorbut vor. Ein Tee aus ihr stärkt das Immunsystem, beugt Erkältungen vor und hilft in der Rekonvaleszenz, wieder zu Kräften zu kommen. Für das Hagebutten- oder Hiffenmark müssen die Früchte aufgeschnitten und entkernt werden. Die dabei anfallenden, von feinen Haaren umgebenen Kerne sind bei Kindern ein überaus beliebtes „Juckpulver“, da sie auf bloßer Haut stark reizend wirken. Die wie Marmelade eingekochten Fruchthälften ergeben einen köstlichen Brotaufstrich. Die Kerne alleine waren ebenfalls offizinell und wurden als „Semen Cynosbati“ bei Würmern oder Steinleiden eingesetzt. Hagebutten
Eberesche Die Eberesche oder Vogelbeere (Sorbus aucuparia) enthält ebenfalls mehr Vit. C als die Zitrone. Ihre rohen Früchte gelten zu Unrecht als giftig. Sie enthalten die sehr bitter und unangenehm schmeckende Parasorbinsäure, die niemanden dazu verleitet, größere Mengen der Früchte zu verspeisen, denn nur dann kann sie zu Magen/Darmirritationen führen. Die Säure wird jedoch beim Kochen zerstört. Durch ihren Sorbitgehalt sind sie als Mus oder Kompott auch für Diabetiker gut geeignet. Ein Tee aus den Blättern hilft bei Magenbeschwerden, die Blüten sind ein bewährter Bestandteil von Hustenmischungen. Ihren Namen hat die Eberesche übrigens daher, daß man glaubte, sie wäre eine „Aberesche“, d.h. eine falsche Esche, da ihre Blätter der (echten) Esche ähneln. Die Vögel sind auf die leuchtend orangeroten Früchten sehr versessen. Diese „Leidenschaft“ machen sich Vogelfänger zunutze, indem sie die Früchte als Lockmittel einsetzen.
Die Edelkastanie (Castanea sativa) bietet uns die herrlich schmeckenden Maronen. Leider ist sie ein Gewächs aus wärmeren Klimazonen und gedeiht bei uns nur in Gegenden mit mildem Klima wie in den Weinanbaugebieten und vor allem in den Südalpen. Sie ist nicht mit unserer Roßkastanie verwandt, beide gehören unterschiedlichen Familien an. Ihre stärkehaltigen Früchte galten lange als Arme-Leute-Essen, oft waren die Maronen das einzige Notbrot im Winter und man rechnete pro Familienmitglied einen Baum zur Versorgung. Geröstete Maronen und ein junger Wein lassen den Herbst heute so richtig zum Genuß werden. Aber man kann mit Maronen auch backen, kochen und die unter Feinschmeckern bekannte Maronencreme als Dessert herstellen. Teezubereitungen aus den Blättern wurden bei Atemwegserkrankungen genutzt, eine Paste aus den Früchten war in Form von Brustwickeln hilfreich. Edelkastanie-Frucht
Walnuß Der Walnußbaum (Juglans regia) ist ein klassischer Hausbaum und in der Natur heute selten zu finden. Er hat viele Qualitäten als „Apotheke“, aber auch als Nahrungsmittel. Die kalorienreichen, weil fetthaltigen Nüsse enthalten vor allem ungesättigte Fettsäuren, die der Körper dringend zum Aufbau seiner Zellen braucht und die er nur durch die Nahrung zuführen kann. Auch gelten sie als Gefäßschutz, so daß man durch das regelmäßige Knabbern einiger Kerne etwas für seine Gesundheit tut, allerdings nichts für seine Figur. Aus den Früchten wird ein hochwertiges Speiseöl mit nussigem Charakter gepresst. Und ein Nußkuchen aus Hasel- und Walnüssen schmeckt einfach köstlich. In den Früchten sah man in der Signaturlehre das Gehirn abgebildet und empfahl daher, diese eifrig zu essen, um schlauer zu werden. Tatsächlich wirken sich Nüsse positiv auf das Gehirn aus, allerdings wird man fehlende IQ-Punkte damit leider nicht auffüllen können. Die Blätter des Baumes haben ein großes Heilspektrum: Hautleiden, Magen/Darmleiden, Schwermetallausleitung und Darmparasiten.
Als letztes möchte ich noch die Quitte (Cydonia oblonga) vorstellen. Aus den großen weißen Blüten entwickeln sich je nach Sorte hellgelbe apfel- oder birnenförmige Früchte, die von einem leichten Filz überzogen sind und der vor dem kulinarischen Vergnügen erst einmal abgerieben werden muss. Roh wird sie kaum verzehrt, aber sie kann zu köstlichen Marmeladen, Konfekt und Likör verarbeitet werden. Leider sind diese Zubereitungen heute kaum mehr üblich, daher gibt es am Ende des Artikels ein Rezept, um die Lust am Ausprobieren wieder zu wecken. Die Früchte in eine Obstschale gelegt, ergeben eine hübsche Herbstdekoration und verströmen einen feinen, fruchtigen Duft. Aus den Kernen wird Quittenschleim gewonnen, der bei allen entzündlichen (Schleim)Hauterkrankungen wohltuend reizmildernd und entzündungswidrig wirkt. Er war somit bei Wunden, rissiger, trockener Haut, gereizten Atemwegen (Husten, Bronchitis) sowie Magen- und Darmschleimhauterkrankungen überaus nützlich und wirksam. Apfelquitte
Es gäbe noch viele Früchte, die man an dieser Stelle nennen könnte (und sollte). Zum Glück gibt es seit einiger Zeit wieder verstärkt Kochbücher, die sich mit diesen Pflanzen näher beschäftigen. Dadurch wird so manches Rezept, das für unsere Großmütter noch selbstverständlich zum Alltag gehörte, ins Bewusstsein zurückgebracht, aber auch neue Variationen warten auf ´s Ausprobieren. Vielleicht können Sie auch noch eine ältere Verwandte befragen und somit ein kleines Stück kulinarische Familientradition zu neuem Leben erwecken.

Quittenlikör
1l Quittensaft
1l Branntwein
125g Zucker oder Honig
1 Zimtstange
2-4 geschälte bittere Mandeln
Schale ½ unbehandelten Zitrone
1 (aufgeschlitzte) Vanillestange
Die Quitten mit einem Tuch gut abreiben. Auf einer Reibe grob raspeln. Im Keller über Nacht ziehen lassen. Mit einem Tuch den Saft auspressen. Einen Liter abmessen, mit Zucker, den zerstampften Mandeln, der Zitronenschale und der Vanille in eine weithalsige Flasche geben. Zimtstange dazugeben und mit Branntwein übergießen. Gut verschließen und 6 Wochen an einen warmen Ort stellen. Abseihen und in kleine Flaschen füllen. Mindestens einen Monat lagern.
(Aus: Susanne Fischer-Rizzi, Blätter von Bäumen, Irisiana-Verlag)
 
 
 
copyright Karin Malke, Okt. 2002
 
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