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Herbularia
Das Online-Kräuterbuch
 
Die Wiesenkönigin
 
Wiesenkönigin Anfang Juli leuchtet uns an den Bachrändern und auf feuchten Wiesen die cremefarbenen Blütenrispen der Wiesenkönigin (Spiraea/Filipendula ulmaria) entgegen. Wer seine Nase in die Blüte steckt, wird von einem schweren, an Mandeln erinnernden Duft überrascht. Dabei wirkt sie durchaus polarisierend: während die einen verzückt schnuppern, ist der Duft den anderen zu schwer und intensiv. Die Wiesenkönigin ist eine Heilpflanze mit langer Tradition. Sie hat viele Namen wie Bocksbartkraut, Geißbart, falscher Holler, Immenkraut, Johanniswedel, Krampfkraut, Mehlkraut, Rüsterstaude, Spierstaude, Ulmenspiere, Wiesengeißbart, Wilder Hirsch. Der Name Mädesüß, unter dem ich sie kennenlernte, hat nichts mit Mädchen zu tun, sondern kommt von Mahd, da sie zur Zeit der Heuernte (=mahd, mähen) besonders reich blüht und dem Heu ein besonderes Aroma verleiht. Da sie auch zum Aromatisieren von Met verwendet wurde, könnte "Mädesüß" auch eine Verballhornung von "Met" sein.
Die Wiesenkönigin war eine der drei heiligsten Pflanzen der Kelten, neben Eisenkraut und Wasserminze. Viel ist darüber jedoch nicht bekannt, da die Kelten nichts aufzeichneten und wir so auf Berichte Dritter, nämlich der Römer, angewiesen sind. Traditionell wurde sie über die Jahrhunderte als Streukraut verwendet, um den Raum zu aromatisieren und gleichzeitig mit seinem Duft auch Dämonen, die stark riechende Pflanzen verabscheuen, fernzuhalten. Wiesenkönigin
Als Heilpflanze macht sie vor allem durch einen wichtigen Inhaltsstoff auf sich aufmerksam - sie enthält Salicylverbindungen. Wem dies noch nichts sagt - es gibt ein ganz bekanntes Schmerzmittel, das dem Mädesüß nachgebaut und auch nach ihm benannt wurde. Da es "a spirea" gewonnen wurde, wurde es "Aspirin" genannt. Die Wiesenkönigin ist also unser pflanzliches Aspirin und dabei besser magenverträglich, da es als Wirkstoffgemisch und nicht als isolierte Einzelsubstanz wirken darf. Die Wiesenkönigin kann also wie dieses eingesetzt werden und hat sich u.a. bei fiebrigen Erkältungen mit Kopfschmerzen mit Gliederschmerzen bewährt.
 
copyright Karin Malke, Juli 2002
 
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