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Herbularia
Das Online-Kräuterbuch
 
Sommerzeit - Badezeit...
 
Wenn an den Hundstagen die Sonne wieder vom Himmel brennt, beneide ich die Pflanzen, die sich einen kühlen, feuchten Standort gesucht haben und sozusagen mit den Füßen immer schön kühl stehen. Erstaunlich viele Heilpflanzen haben sich für das nasse Element entschieden oder brauchen zumindest einen feuchten Untergrund, um gedeihen zu können. Nicht immer ist dieser sofort ersichtlich.
So blüht jetzt an Wegrändern, Gräben und auf Lichtungen der Wasserdost (Eupatorium cannabium) mit seinen altrosa Blütendolden. Der eine oder andere kennt ihn noch als Kunigundenkraut oder Hirschklee. Dem erfahrenen Rutengänger zeigt ein größerer Pflanzenbestand hochstehendes Grundwasser und damit einen für den Daueraufenthalt (z.B. Hausbau) nicht geeigneten Platz an. Nach dem alten Naturverständnis der früheren Kräuter- und Naturkundigen konnten Krankheiten, die durch Feuchtigkeit und Kälte verursacht werden, durch Pflanzen dieser Standorte geheilt werden, da diese mit diesen schwierigen Lebensbedingungen zurechtkamen und Stoffe entwickelt haben mußten, die sie schützten. Wenn auch heute nur noch wenige um die Heilwirkung wissen, so ist der Wasserdost noch immer ein gutes Grippemittel und wird vor allem in der Homöopathie als "Eupatorium" bei fieberhaften Infekten eingesetzt. Er wirkt auch als Tonikum (nach Erkrankungen) und immunstärkendes Mittel. Wasserdost
Fieberklee In die gleiche Richtung geht auch der Fieberklee (Menyanthes trifoliata), der, wie der Name schon sagt, u.a. auch bei Fieberleiden eingesetzt wird. Nur wenige haben ihn schon in freier Natur sehen können, da er zum einen selten geworden ist (geschützt!), zum anderen schon in der Flachwasserzone wächst und damit vom Ufer aus nur schwer genauer zu betrachten ist. Aus den harmonischen 3-lappigen Blättern (Signatur der Leberlappen - er ist auch eine Leberheilpflanze) wächst im Mai der Blütenstängel mit seiner Blütenrispe. Diese ist es wert, sich zu bücken und die winzige Blüte näher zu betrachten - trotz der nassen Füße, die man sich dabei holt. Für mich ist es eine der am exotischsten aussehenden Blüten unserer Pflanzenwelt.
Die Brunnenkresse (Nasturtium off.) zeigt in ihrem Namen auch schon ihren Standort an. Sie ist häufig in und an fließenden Gewässern zu finden. Ihre Qualitäten entwickelt sie vor allem als Frischpflanze. Sie schmeckt kresseähnlich und scharf. Auf dem Brot oder im Salat verleiht sie Gerichten eine pikante Note. Sie sollte jedoch nur frisch verwendet werden, da die Inhaltsstoffe hitzeempfindlich sind und sie sich auch nur unter starkem Wirkstoffverlust trocknen läßt. Nebenbei putzt sie uns innerlich durch, bringt den Stoffwechsel in Schwung und hat sich auch bei Hautleiden sehr bewährt. Eine Frühjahrskur mit ihr läßt uns gut ins neue Jahr (für viele Menschen beginnt das Jahr "innerlich" mit dem Frühjahr, wenn das Leben in der Natur wieder erwacht) starten. Die Brunnenkresse steht uns fast das ganze Jahr zur Verfügung und ist ein wichtiger Vitaminlieferant gerade in den kälteren Jahreszeiten. Brunnenkresse
Baldrian Mit Baldrian (Valeriana off.) haben wir einen Vertreter, der uns bei nervösen Leiden hilft. Vor allem bei Streß und Angespanntheit kann er uns helfen, auf "dem Teppich zu bleiben" und angemessen mit der Situation umzugehen oder aber auch abends loszulassen und Schlaf zu finden. Er liebt feuchte Standorte und kann dort mit seinen zartrosa Blütendolden manche dunkle Ecke verzaubern. Der typische, sehr strenge Duft steckt in der Wurzel, die auch medizinisch verwendet wird. Die Blüten haben bei weitem nicht diesen doch sehr herben Duftcharme. Vor allem Katzen kann man mit der Wurzel zu höchstem Entzücken verhelfen, daher leitet sich auch der Name "Katzenkraut" ab.
Auch Bäume suchen das nasse Element. Die Silberweide (Salix alba) wächst bevorzugt am Wasser, die Wurzeln dürfen gerne ins feuchte Element ragen. Vor der Entdeckung der Chinarinde wurde Weidenrinde als fiebersenkendes und schmerzstillendes Mittel bei fieberhaften Infekten, aber auch bei rheumatischen Leiden eingesetzt. Sie enthält Salicin, das zu Salicylsäure oxidiert und so als Pflanzenaspirin ähnlich dem Mädesüß wirkt. Das Mädesüß bzw. die Wiesenkönigin (Filipendula ulmaria) wurde erst vor kurzem (Juniausgabe) besprochen, auch sie liebt feuchte Standorte und hilft u.a. bei rheumatischen Leiden und Fieber. Weide
Damit ist die Liste der feuchtigkeitsliebenden Heilpflanzen noch lange nicht erschöpft. Viele helfen uns bei Leiden die durch feuchte Kälte verursacht werden wie der bittersüße Nachtschatten (Vorsicht: leicht giftig, v.a. als homöopathisches Mittel verwenden) oder die Wasserminze, die kühlend und erfrischend wirkt. Jetzt haben sie ihre Hochzeit und bieten uns für die viel zu schnell kommende kalte, feuchte Jahreszeit ihre wirksame Hilfe an.  
 
 
copyright Karin Malke, Juli 2002
 
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