Die jungen Wilden – Wildkräuter für einen gesunden Start zum Frühlingsanfang

Zuletzt aktualisiert am 26.03.2025 | Heilkräuter

Jetzt im Frühjahr strotzen unsere Wildkräuter vor Kraft und Energie. Während so manche Zuchtschönheit erst zaghaft ihre Blätter aus der Erde schiebt, viele Bäume ihre Knospen noch fest verschlossen halten, scheinen die kalten Nächte und die oft unfreundliche Witterung den kleinen Kraftpaketen nichts auszumachen.

Noch unsere Großeltern, die sich nicht so ohne weiteres mit Gemüse rund ums Jahr versorgen konnten, wussten dieses frische Grün sehr zu schätzen. Viele Bräuche mit Pflanzen fallen auch in diese frühe Zeit im Jahr, der bekannteste ist die grüne Suppe bzw. Gründonnerstagssuppe. Ziel war es, neben der Verbesserung der Nahrungssituation sich auch diese unbändige Lebenskraft, oder wie Hildegard von Bingen sie nannte, Grünkraft (viriditas), zu eigen zu machen. So soll eine Suppe aus 7 – 9 Wildkräutern, am Gründonnerstag gegessen, für Kraft und Gesundheit für das ganze Jahr sorgen. Aber auch die regelmäßige Verwendung in der Küche fördert ganz unrituell einen guten Start ins Frühjahr und hilft, die Frühjahrsmüdigkeit aus den Knochen zu bekommen. Aus der Fülle der infrage kommenden Pflanzen möchte ich dir einige vorstellen, die für deine Suppe geeignet sind.

Löwenzahn

Eine typische Aprilblume ist der Löwenzahn (Taraxacum officinale). Er blüht zwar fast das ganze Jahr, hat aber jetzt seine Hochzeit, ganze Wiesen überzieht er mit seinen gelben Blüten. Doch aufgepasst: gerade da, wo er so üppig blüht, sollte er nicht gesammelt werden. Er ist bei großen Vorkommen ein Stickstoffanzeiger und -sammler, d. h. er darf nicht auf den damit als überdüngt angezeigten Wiesen gesammelt werden! Für unsere Gesundheit hat er einiges zu bieten – er ist ein großes Leber- und Gallenheilmittel, hilft bei Nieren- und Blasenleiden. Er ist aber auch ein großer Entgifter und auch in vielen Rezepten zur Schwermetallentgiftung enthalten. Seine Volksnamen wie Bettseicher oder Seichenwurzel und französisch piss-en-lit erklären auch, auf welchem Weg dies geschieht. Seine Blätter und Blüten kommen also als Erstes in den Korb für unsere Suppe.

Üppig blühende Löwenzahnwiese

Üppig blühender Löwenzahn

Brennnessel

Als Nächstes wenden wir uns an den Wegrand und sehen die jungen Triebe der Brennnessel (Urtica dioica oder U. urens). Obwohl sie noch so jung sind, können manche schon ziemlich krätzig sein, deshalb sollte man beim Sammeln lieber Gartenhandschuhe tragen. Geerntet werden nur die jungen Triebe mit ca. 3 Blattpaaren, ältere Exemplare sind u.U. bereits zu faserig. Beim Kochen werden die Brennhaare zerstört und einem ungestörten Essvergnügen steht nichts mehr im Wege. In meiner Kindheit gab es bei meiner Oma gerne Brennnesselspinat. Dieser wird wie normaler Spinat zubereitet. 

Ihre Tugenden sind zahlreich, die Brennnessel ist ein kleines Universalheilmittel. Am bekanntesten ist sie als Blutreiniger und damit auch als wichtiges Gichtmittel. Sie hilft Niere und Blase und erhöht auch hier die Ausscheidungsmenge, wodurch beispielsweise Wassereinlagerungen im Gewebe deutlich gemildert werden können. Haut und Haare, Leber, alle Stoffwechselvorgänge u. v. m. profitieren von dem oft verächtlich als Unkraut bezeichneten Gewächs, das sich so trefflich zu wehren weiß. Und auch die Liebe kommt nicht zu kurz – später im Jahr kann der bereits durch die Grünkur gestärkte Mensch die Samen als Aphrodisiakum sammeln. Und wer Schmetterlinge mag, sollte in seinem Garten, wenn möglich, einige Pflanzen stehen lassen, da sie u. a. die Kinderstube des Tagpfauenauges sind.

Junge Brennnesseltriebe

Erntereife Brennnesseln für die Küche

Gänseblümchen

Das Gänseblümchen (Bellis perennis) wird dagegen im Allgemeinen und von Kindern im Besonderen geliebt – außer man ist ein Fan von englischem Rasen. Gerade da macht es sich nämlich besonders gerne breit. Es ist ein sanftes, vollkommen ungiftiges Geschöpf. Doch viele erschrecken bei dem Gedanken, die Blüten z. B. auf einem Butterbrot zu verspeisen. Dort haben sie einen leicht scharfen, angenehmen Geschmack. Deshalb kommen die Blüten und Blätter erst einmal zur Gewöhnung in unsere Suppe. Neben einer allgemein stoffwechselanregenden und blutreinigenden Wirkung ist es eine exzellente Hautheilpflanze und kann bei Ausschlägen, Akne und Wunden gute Dienste leisten. Sein sanftes Wesen überträgt sich auch auf uns und lässt uns so manche Dinge freundlicher und gelassener angehen.

Nahaufnahme eines einzelnen Gaensebluemchens in der Wiese in Nahaufnahme

Gänseblümchen

Schlüsselblume

Eine Frühlingsbotin, die uns den Frühling aufsperrt, ist die Schlüsselblume (Primula veris, P. elatior). Doch gleich vorweggesagt – nur wer einen Garten hat, darf sie unbesorgt sammeln, da sie in den vielen Gegenden geschützt ist, manchmal darf man auch ein Handsträußchen sammeln, die Wurzel ist aber immer tabu. Daher muss man sich zum Schutze der Natur immer vor dem Sammeln immer nach den örtlichen Vorgaben erkundigen! 

Laut Sage soll sie sogar himmlischen Ursprungs sein – Petrus ließ den Himmelsschlüssel auf die Erde fallen, da, wo er aufkam, entsprang die Schlüsselblume. Sie soll mit ihrer Blütenform an einen mittelalterlichen Hohlschlüssel erinnern. Ihre Mitgift beinhaltet Hilfe bei hartnäckigem Husten und Bronchitis, gerade im ausklingenden Winter ist sie eine wertvolle Heilpflanze. Sie wirkt als Nervenbalsam und lindert Kopfschmerzen und Migräne.

Ein Pulk mit blühenden Schluesselblumen

Die Echte Schlüsselblume

Bärlauch

Bärlauch (Allium ursinum) soll uns Bärenkräfte verleihen. Seine Verwandtschaft zum Knoblauch kann er nicht leugnen. Bereits bei Berührung strömt uns sein Knoblauchduft entgegen. Dadurch lässt er sich auch eindeutig gegenüber den giftigen Maiglöckchen und Herbstzeitlosen abgrenzen, die eine entfernte Ähnlichkeit mit dem Bärlauchblatt haben, aber nicht das köstliche Aroma. Dennoch sollte man ihn sicher identifizieren können, bevor man ihn pflückt. Vor der Blüte gesammelt, wirken die Blätter stoffwechselanregend, blutreinigend, blutdruckausgleichend, pilz- und keimtötend, herz- und gefäßtonisierend, u. v. m. Er wird möglichst frisch verspeist, kommt also erst ganz zum Schluss in unsere Suppe.

Eine Fläche voller Baerlauch, rechts ist der Stamm einer alten Buche zu sehen

Bärlauchteppich

geschwungen Zier-Trennlinie zwischen zwei Textbloecken

Nun könnte man noch lange weiter schreiben. Es gibt noch so viele wichtige und gesunde Wildkräuter, die jedoch meist abschätzig als Unkraut oder neudeutsch unerwünschtes Beikraut bezeichnet werden.

Deshalb eine kleine Auswahl auch für die Küche: Birke, Brunnenkresse, Giersch, Gundermann, Hirtentäschel, Huflattich, Klettenlabkraut, Knoblauchsrauke, Lungenkraut, Mädesüß, Sauerampfer, Schafgarbe, Scharbockskraut, Schlehe, Spitzwegerich, Taubnessel, Veilchen, Vogelmiere, Waldmeister, Wiesenschaumkraut.

Abschließend noch ein Rezept für eine Dinkelsuppe mit Grünkraft, die auch gerne als Gründonnerstagsuppe gegessen wird, aber uns ihre Kraft den ganzen Frühling über schenkt:

1 klein gehackte Zwiebel

100 g Grünkernmehl oder -schrot

1l Gemüsebrühe

1/4l Sahne

Salz, Pfeffer, Muskat

etwas Butter

1–2 Handvoll klein gehackte junge Wild(e)kräuter

Zwiebel in der Butter glasig dünsten, Grünkernmehl/-schrot kurz mit anrösten und mit Brühe auffüllen. 10 Min. köcheln lassen, Sahne und Kräuter dazu, kurz aufkochen lassen und mit den Gewürzen abschmecken.

Das Ganze kann mit einem uralten Kräuterspruch abgerundet werden – einem gesunden Start ins Frühjahr steht jetzt nichts mehr im Wege!

geschwungen Zier-Trennlinie zwischen zwei Textbloecken

Angelsächsischer Kräutersegen

Nun haben diese neun Kräuter Macht
gegen neun böse Geister
gegen neun ansteckende Krankheiten
gegen das stinkende Gift
gegen das wütende Gift
gegen das gelbe Gift
gegen das grüne Gift
gegen das dunkle Gift
gegen das braune Gift
gegen das purpurne Gift
gegen Wurmblattern
 gegen Giftblattern
wenn irgendein Gift kommt von Osten geflogen
oder irgendeins von Norden kommt
oder irgendeins von Westen über die Menschheit.
(11. Jhd., Wessex)

In den Beiträgen über Ostern und Ostara und Mariä Lichtmess und Imbolc findest du noch mehr Wissenswertes über das Frühlingsbrauchtum.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Karin Malke laechelt in die Kamera

Hej, ich bin Karin

Ich möchte dich hier mit meiner Leidenschaft für Heilpflanzen anstecken und dir viele bunte Infos zu meinem Lieblingsthema geben.

Viel Spaß beim Lesen!

Mehr über mich …

2 3 Inhalt

Karin Malke

Karin Malke

Ich möchte dich hier mit meiner Leidenschaft für Heilpflanzen anstecken und dir viele bunte Infos zu meinem Lieblingsthema geben.

Wenn dich ein Thema besonders interessiert, kannst du es mir gerne in den Kommentaren mitteilen.

Viel Spaß beim Lesen!

Erfahre mehr über mich.

DSGVO Cookie Consent mit Real Cookie Banner