An Silvester ist es Brauch geworden, ein Töpfchen mit Glücksklee zu verschenken, das meist mit weiteren Glücksbringern wie kleinen Kaminkehrern oder Glücksschweinchen dekoriert ist. Dahinter steckt der Wunsch, seinem Gegenüber ein glückliches und erfolgreiches Jahr zu wünschen. Doch kann man Glück verschenken? Was hat es mit diesem Brauch auf sich?
Welche Pflanze ist der richtige Glücksklee?
Wenn du an Glücksklee denkst, was ist deine erste Idee – das oben beschriebene Töpfchen mit lauter vierblättrigen Kleeblättern oder ist es das auf der Wiese mühsam gefundene vierblättrige Kleeblatt?
Tatsächlich ist Wiesenklee der eigentliche Glücksklee – es handelt sich in der Regel um den bei uns häufig vorkommenden Weißklee (Trifolium repens). Seltener findet man das vierblättrige Kleeblatt beim Rotklee (Trifolium pratense). Diese Kleearten haben grundsätzlich ein dreizählig gefingertes Blatt, das auf uns wie drei separate Blätter wirkt. Warum manche Blätter nun vierteilig sind, ist in der Wissenschaft bisher nicht abschließend geklärt. Vermutet wird eine Mutation im Erbgut der Pflanze, es wird auch angenommen, dass Umwelteinflüsse eine Rolle spielen. Schätzungsweise weist nur etwa eines von 5.000 Kleeblättern diese Veränderung auf, also ein Verhältnis von 1:5000.

Weißklee (Trifolium repens)
Warum ist vierblättriger Klee ein Glücksbringer?
Seine Seltenheit macht ihn zu etwas Besonderem, da er so schwer zu finden war wie das Glück. In unserer Kindheit haben wir oft viel Zeit auf der Wiese liegend verbracht, um unseren persönlichen Glücksbringer zu finden.
Für unsere Vorfahren verkörperte die Zahl 4 einiges an (glücksbringender) Symbolik. So bilden die vier Blätter ein gleichschenkliges Kreuz. Dies gilt schon seit Urzeiten als mächtiges Schutzsymbol, das Böses abwehrt. Wichtig war jedoch, das vierblättrige Kleeblatt selbst zu finden und dann als Amulett bei sich zu tragen. Man konnte es aber auch einer nahestehenden Person schenken, damit sie Schutz und Glück fand.
Rund um den Glücksbringer entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte eine bunte Anzahl an Bräuchen. Vor allem in Liebeszaubern bzw. -orakeln war der Glücksklee sehr beliebt. So sollte man einer Person, die man für sich gewinnen wollte, das Blatt in den Schuh legen. Oder man trug als Mädchen das Blatt selbst im Schuh – der erste Mann, den man traf, hatte den gleichen Vornamen wie der Zukünftige.
Als Schutzamulett in den Mantel eingenäht, half es für sicheres Reisen. Auch skurrile Vorstellungen entwickelten sich, so soll ein vierblättriges Kleeblatt, das unbemerkt in die Kleidung eines Jungen eingenäht wird, helfen, dass dieser fleißig lernt.
Klee kann noch mehr Blätter entwickeln, so können auch 5- und 7-blättriger Klee gefunden werden. Diese gelten meistens als unglücksbringend und sollten nicht gepflückt werden. Der Weltrekord für das Kleeblatt mit den meisten Blättern liegt bei außerordentlichen 56 Blättern!
Was symbolisiert das vierblättrige Kleeblatt?
Der Glaube an die Zauberkraft des Glücksklees ist schon uralt. Hinter der Zahl 4 verbirgt sich eine Fülle an Symbolik. So sollen die vier Blätter beispielsweise
- für Gesundheit, Liebe, Reichtum und Ehre oder
- Glaube, Hoffnung, Liebe und Glück versinnbildlichen
- das Kreuz und die vier Evangelien repräsentieren
- für die vier Jahreszeiten und ihre Feste stehen. Dabei verkörpert der Klee die Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche, da beide Wachstum und Erneuerung symbolisieren
- die vier Elemente – Feuer, Wasser, Erde und Luft darstellen
- und ein mächtiges Schutzsymbol sein

Klee hat sowohl drei- als auch vierblättrig eine lange kulturelle und auch religiöse Bedeutung für die Menschen.
- Der Ägyptische Klee (Trifolium alexandrinum), auch Alexandriner-Klee genannt, wurde seit Jahrhunderten in Ägypten kultiviert.
- Bei den Kelten galt Klee als mächtige Zauberpflanze, die Unglück abwehrt. Auch war die Pflanze eng mit Naturwesen, insbesondere den Elfen, verbunden. Ein vierblättriges Blatt soll die Hellsichtigkeit fördern und helfen, Elfen zu sehen. Aus der jahrhundertealten, keltischen Tradition heraus wurde der dreiblättrige Klee schließlich zum irischen Nationalsymbol, dem Shamrock.
- Im Christentum gibt es die Legende, dass Eva ein vierblättriges Kleeblatt als Andenken an das Paradies mitgenommen haben soll – daher hält der glückliche Finder ein kleines Stück Paradies in den Händen. Das dreiblättrige Kleeblatt dagegen soll die Dreifaltigkeit symbolisieren.
Der an Silvester verschenkte Glücksklee (Oxalis tetraphylla), auch als vierblättriger Sauerklee bekannt, ist nicht mit dem Wiesenklee verwandt und hat von Natur aus vier Blätter. Da im Winter die Suche nach einem vierblättrigen Wiesen-Kleeblatt eher schwierig ist, hat sich der Brauch eingebürgert, diesen als Glücksklee zu verschenken. Und gute Wünsche kann man ja immer gebrauchen, auch wenn es nicht der „richtige Klee“ ist. Aber vielleicht machst du dich ja im Frühling auf die Suche nach deinem persönlichen Stückchen Glück?
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