Die Einteilung des Jahres in die verschiedenen Jahreszeiten hatte, neben der offensichtlichen Veränderung der Natur im Jahreslauf, eine wichtige Bedeutung für die Menschen und ihren Umgang mit der Natur. So gab es auch eine eher spirituell geprägte Betrachtung des Wachsens und Vergehens der Natur. Das Jahr wurde in acht Abschnitte und die dazugehörigen Jahreskreisfeste eingeteilt. Die Menschen orientierten sich dabei u. a. an den Sternen und ihren Bewegungen. Oft wird der Zyklus durch ein Kreis- oder Radsymbol dargestellt und findet sich als Bild in vielen Kulturen wieder. Ein kompletter Jahreskreis ist Teil des sich ewig wiederholenden Lebenszyklus.
Heute kennt man insbesondere die keltischen Bezeichnungen dieser Tage, aber es gibt, je nach Kultur, eine Reihe weiterer Namen. Auch das Christentum setzte auf diese Beobachtungen auf und gab den aus ihrer Sicht heidnischen Bräuchen entsprechende religiöse Inhalte. Ich möchte dir nach und nach diese 8 Feste und ihre Zeitqualität vorstellen.

Die Jahreszeitenfeste – Mariä Lichtmess/Imbolc
Das 1. Jahreskreisfest – Imbolc
Das Jahr startete mit einem Mondfest zu Ehren der Göttin Brigid. Sie war die keltische Göttin des Lichts, des Feuers, der Heilkunst, der Fruchtbarkeit und noch vielem mehr. Es ist ein Fest des Lichts und des Neubeginns. Imbolc kommt aus dem Alt-Irischen und bedeutet sinngemäß gründliche Reinigung, Waschung. Man bereitet sich auf den Aufbruch in das neue Jahr vor, wirft Ballast und Rückstände aus dem Winter ab.
Zeitpunkt
Imbolc markiert die Mitte zwischen der Wintersonnenwende und der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche. Als Mondfest war es nicht fix vom Datum wie heute, sondern wurde am 2. Vollmond nach der Wintersonnenwende gefeiert. Heute wird es, bedingt auch unter dem christlichen Einfluss, am 2. Februar oder in der Nacht zum 2. Februar gefeiert.

Der Frühling naht, die ersten Schneeglöckchen, aufgenommen am 4. Februar 2025
Bedeutung und Brauchtum
Es ist die Zeit des Frühlingserwachens, wenn die ersten zarten Frühblüher wie das Schneeglöckchen vorsichtig aus der Erde spitzen. Die Göttin Brigid geht über das Land und weckt es wieder aus der Winterruhe auf. Für die Kelten begann damit der Frühling, die Kraft des Winters war gebrochen.
Das Thema Reinigung, sowohl von sich als auch seiner Umgebung, stand im Mittelpunkt, man wollte den Winter austreiben und buchstäblich auskehren. Daher kam der Brauch, mit Birkenzweigen alles zu fegen oder, wie insbesondere in Nordeuropa gebräuchlich, sich und andere mit Birkenruten zu schlagen (nicht verprügeln!). Durch diese rituelle Reinigung sollte ein guter Start für einen Neubeginn im Jahr geschaffen werden. Die Birke gilt als Lichtbaum und steht für den Neubeginn, sie wird Brigid zugeschrieben. In der finnischen Saunakultur wird das Schlagen mit Birkenreisig ebenfalls zu diesem Zweck ausgeübt, man fühlt sich wie neugeboren danach.
Es wurde auch wieder Birkensaft gezapft. Birkensaft ist ein kleines Powerpaket, das reich an Aminosäuren, Mineralien und Vitaminen ist. Er gibt nach der langen Winterzeit wieder Energie und reinigt den Körper. Unser Monat Februar leitet sich übrigens von lateinischem Wort februare = reinigen ab.
Um diesen Zeitpunkt erwachen die Bären aus ihrem Winterschlaf. Der Bär ist ebenfalls Brigid geweiht und symbolisiert den noch jungen Sonnengott, der nun erwacht und die nächsten Wochen an Kraft gewinnt. Diese Symbolik wird auch in dem Märchen Schneeweißchen und Rosenrot erzählt. Dabei verkörpern die beiden Mädchen die Göttin Brigid in ihren verschiedenen Aspekten.
Die Tage werden nun auch wieder merklich länger, seit der Wintersonnenwende gewinnt das Licht langsam wieder an Kraft, so heißt es auch bezüglich der nun ansteigenden Tageslänge
Weihnachten um ein‘ Mückenschritt,
Silvester um ein‘ Hahnentritt,
Dreikönig um ein‘ Hirschensprung und
Lichtmess um ein‘ ganze Stund.

Lichtdurchflutetes Birkenwäldchen im Spätwinter
Orakel
Es war auch eine Zeit des Orakelns, man wollte wissen, wie das Jahr wird, wie sich das Wetter gestaltet. Dies war für die Bauern wichtig, dass sie nun die Arbeit am Feld wieder beginnen bzw. diese planen mussten. So konnte man am Verhalten der Bären, die es vor ca. 150 Jahren noch in unserem Kulturkreis gab, ablesen, ob der Winter noch andauert oder ob der Frühling nun die Regentschaft übernimmt. Er erwachte nun aus seinem Winterschlaf und schaute aus seiner Höhle. War es zu warm, drehte er um und hielt weitere 6 Wochen Winterschlaf, da dann (aufgrund der meteorologischen Luftströmungen) der Winter wiederkommen würde. Daraus entwickelten sich auch einige Bauernregeln, wie z. B.
Wenn’s an Lichtmess stürmt und schneit,
ist der Frühling nicht mehr weit;
ist es aber klar und hell,
kommt der Lenz wohl nicht so schnell.
Ist’s zu Lichtmess licht, geht der Winter nicht.
Lichtmess im Klee,
Ostern im Schnee.
Die europäischen Einwanderer brachten ihre Bräuche mit in die USA, dort wurde anstelle des Bären das Murmeltier zum Wetterorakel erkoren. Am 2. Februar wird traditionell in den USA der Murmeltiertag gefeiert. So sagte in Punxsutawney im US-Bundesstaat Philadelphia das bekannte Murmeltier Phil für 2025 einen langen Winter für den Teil der USA voraus.
Christentum und Mariä Lichtmess
Das Christentum übernahm viele heidnische Bräuche und Gött*innen, die dann u. a. zu Heiligen wurden. So wurde aus Brigid die Heilige Brigid von Kildare, sie bildet mit St. Patrick und St. Colmcille die 3 Schutzheiligen Irlands. Ihr Feiertag ist der 1. Februar.
Am 2. Februar wird in der katholischen Kirche Mariä Lichtmess oder auch Mariä Reinigung gefeiert. Es wird die Darstellung des Herrn, auch Praesentatio Jesu in Templo gefeiert. Im Lukas-Evangelium wird beschrieben, wie Jesus gemäß der Tradition 40 Tage nach der Geburt als Erstgeborener Gott im Tempel geweiht bzw. dargestellt wurde. Maria wiederum brachte, wie es die jüdische Regel vorschrieb, ihr Reinigungsopfer nach der Geburt dar.

(Agen) Presentation de Jésus au Temple - Jean André - Musée des Beaux-Arts d'Agen Quelle: Jean André artist QS:P170,Q677931 Didier Descouens, (Agen) Presentation de Jésus au Temple - Jean André - Musée des Beaux-Arts d'Agen, CC BY-SA 4.0
Mit Lichtmess endet die Weihnachtszeit. Erst jetzt wurden Krippen abgebaut und der Weihnachtsbaum entfernt. Mittlerweile endet sie in der Kirche bereits am ersten Sonntag nach dem 6. Januar. In manchen Familien und Gemeinden ist es aber immer noch Brauch, den Weihnachtsbaum bis Lichtmess stehenzulassen.
Es werden traditionell auch der Kerzenbedarf für das ganze Jahr in der Kirche geweiht, es fand oft auch eine Lichterprozession im Anschluss statt und es wurde der Blasius-Segen gespendet. St. Blasius feiert seinen Namenstag am 3. Februar, der Segen sollte über das Jahr vor Krankheit schützen. Auch den geweihten Kerzen wurde eine Schutzwirkung nachgesagt, insbesondere die geweihten schwarzen Wetterkerzen sollten das Haus vor Unwettern beschützen. Sie wurden im Haus bei drohenden Unwettern angezündet.
Ein weiterer wichtiger Termin war der 2. Februar für die Dienstboten. Er war ein sog. Schlenkeltag. An ihm bekamen sie ihren Jahreslohn ausgezahlt. Ferner verpflichtete man sich per Handschlag für ein weiteres Jahr im Dienst oder konnte den Arbeitgeber wechseln. Außerdem hatten die Dienstboten bis St. Agatha (5. Februar) frei, um ihre Familie zu besuchen oder zu ihrem neuen Dienstherrn zu wechseln. Bis 1912 war Mariä Lichtmess auch ein offizieller Feiertag, in Irland ist der 1. Februar noch immer gesetzlicher Feiertag.

Im Laufe der Jahrhunderte verschmolzen die Traditionen unserer Vorfahren mit denen der Kirche. Heuer fällt Imbolc, wenn man sich auf den Vollmond bezieht, auf den 12. Februar 2025.
Die Zeitqualität des Februars lädt dich ein, dich mit den Themen Reinigen und Loslassen zu beschäftigen – sowohl innerlich als auch äußerlich. Und schau doch bei deinem nächsten Spaziergang nach den ersten Vorfrühlingszeichen wie z. B. dem Schneeglöckchen, die uns Freude auf die nun langsam kommende wärmere Zeit schenken.
Wenn du dich für die im Jahresablauf immer wiederkehrenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen der Pflanzen interessierst, findest du im Beitrag über Phänologie weitere Informationen.
0 Kommentare