Phänologie – oder warum es mehr als vier Jahreszeiten gibt

Zuletzt aktualisiert am 31.03.2025 | Grundlagen, Beliebt

Jeder kennt die vier Jahreszeiten – Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Doch in der Natur gibt es keinen harten Wechsel, sondern die Jahreszeiten gleiten ineinander über. Aus der Beobachtung der Natur entwickelte sich daher ein differenzierteres Bild als aus den reinen Kalenderdaten.

Was ist Phänologie?

Der Begriff kommt aus dem Griechischen, so heißt phaíno = ich erscheine und logos = die Lehre – also die Lehre vom Erscheinen. Es handelt sich um die Beobachtung der Natur, wobei man sich die im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Vorgänge der Pflanzenentwicklung anschaut. Dafür wurden bestimmte Pflanzen als Zeigerpflanzen ausgewählt und deren Wachstum, Blüte, Fruchtreife oder Blattfall wurden als Marker für den Beginn eines neuen Jahresabschnitts gewählt. 

Dadurch entstand ein deutlich feineres System mit insgesamt 10 Jahreszeiten. Da diese an bestimmte Phänomene gebunden sind, so läutet die Blüte der Haselnuss den Vorfrühling ein, gibt es keinen festen Termin, sondern der Beginn ist wetterabhängig. Allerdings erscheint die Blüte der Hasel immer in einem bestimmten Zeitraum.

Wichtig ist die genaue Beobachtung der Jahreszeiten für die Landwirtschaft und im Garten. Sie gibt Hinweise, wann welche Arbeiten auf dem Feld und im Garten zu erledigen sind. So sollen unter anderem Rosen erst mit der Forsythienblüte zurückgeschnitten werden, also im Erstfrühling, da nun die Gefahr strenger Fröste weitgehend gebannt ist. Durch die Beobachtung des Klimas bzw. der Naturentwicklung hat man einen fein abgestimmten Arbeitsfahrplan für seine Region.

Aber auch die Wissenschaft hat ein Interesse am Beobachten und Datensammeln, wann in jedem Jahr die jeweilige Jahreszeit bzw. Zeigerpflanzen aktiv sind. Daraus lassen sich z. B. Klimaveränderungen über die Jahre hin beobachten und die Reaktion der Natur darauf.

Nahaufnahme der männlichen Haselnussblüte

Männliche Haselnussblüte im Vorfrühling

Die 10 Jahreszeiten und ihre Zeigerpflanzen

Jahreszeit Zeigerpflanze Merkmal weitere Pflanzen
Vorfrühling Haselnuss Blüte  Blüte von Schneeglöckchen, Leberblümchen, Huflattich, Seidelbast, Salweide und Schwarz-Erle
Erstfrühling Forsythie Blüte Blüte von Kirsche, Birne, Schlehe, Veilchen, Laubentfaltung bei der Birke, Johannis- und Stachelbeere
Vollfrühling Apfel Blüte Blüte von Löwenzahn (Vollblüte), Flieder, Bärlauch, Waldmeister, Rosskastanie. Laubentfaltung, Hainbuche, Eiche, Weinrebe
Frühsommer Holunder Blüte Blüte der Getreidefelder, Gräser, Robinie, Wild- und Hundsrose, Ernte der Erdbeeren beginnt, Heuernte
Hochsommer Sommerlinde Blüte Blüte von Lavendel, Wegwarte, Kartoffel, Liguster, Fruchtreife der Johannisbeeren
Spätsommer Sommerapfel Fruchtreife Getreideernte, Fruchtreife von Eberesche, Felsenbirne, Mirabelle, Blüte der Goldrute
Frühherbst Holunder Beeren werden reif Blüte der Herbstzeitlosen, Obsternte, Fruchtreife von Hagebutte, Sanddorn, Kornelkirsche, Haselnuss, Weißdorn
Vollherbst Kastanie Früchte werden reif Kartoffelernte, Laubverfärbung beginnt bei Eiche, Esche, Reife von Walnuss, Quitte, Buchecker sowie späten Apfelsorten, Aussaat Winterweizen
Spätherbst Stieleiche Laub färbt sich allg. Laubfall, Fruchtreife von Schlehe, Berberitze, Hagebutte
Winter

Stieleiche

Lärche

Laub fällt ab

Nadeln fallen ab

Winterruhe, Ende der Vegetationszeit, Blühbeginn von Christrose, Winterjasmin, Zaubernuss
Nahaufnahme einer Quitte am Baum hängend

Reife Quitte -Vollherbst

Das erste blühende Haselkätzchen, wie die männliche Blüte der Hasel genannt wird, macht noch keinen Vorfrühling. Erst wenn die Hälfte der in deinem Gebiet vorkommenden Haselsträucher ca. zur Hälfte blüht, dann hat der Vorfrühling begonnen. Daher ist dieser Zeitpunkt regional unterschiedlich, diese Übersicht gilt daher für Mitteleuropa. Durch klimatische Schwankungen haben die phänologischen Jahreszeiten auch unterschiedliche Längen.

Es wird nicht nur die Pflanzenwelt beobachtet, sondern auch Tiere zeigen durch ihr Verhalten die einzelnen Jahreszeiten an. So sieht man beispielsweise im Vorfrühling die ersten Hummeln an den Frühblühern, Amseln beginnen mit dem Nestbau und die ersten Zugvögel wie die Stare kehren zurück. Im Frühsommer dagegen kann man Glühwürmchen nachts tanzen sehen und die Frösche beginnen mit ihren Quak-Konzerten. Der Spätherbst ist von der Vorratshaltung der Eichhörnchen geprägt, Igel ziehen sich nun allmählich in ihr Winterquartier zurück.

Kleiner Einschub: meteorologischer und kalendarischer/astronomischer Frühlingsanfang

Oft hört man in den Medien: Heute ist meteorologischer Frühlingsanfang, ein paar Tage später heißt es dann: Heute ist der kalendarische Frühlingsanfang. Wann beginnt denn jetzt der Frühling?

Der meteorologische Frühlingsanfang (und die folgenden festen Starttermine für die Jahreszeiten) helfen der Wissenschaft, das Klima und seine Veränderungen besser zu beobachten. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) benötigt u. a. für seine klimatologischen Statistiken einen fest definierten Zeitraum. Jede der vier Jahreszeiten umfasst danach 3 Monate und fängt immer mit Monatsbeginn an. Der Frühling beginnt also immer am 1. März, der Sommer 3 Monate später am 1. Juni usw.

Der kalendarische Frühlingsanfang dagegen orientiert sich an astronomischen Phänomenen, nämlich der Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche. Hierbei steht die Sonne exakt senkrecht über dem Äquator und teilt damit Tag und Nacht in gleich lange Zeiteinheiten. Dies kann variieren und findet am 20. oder 21. März statt. Die nächsten 5 Jahre, also bis 2030, ist dies immer der 20. März. Dieser Termin entspricht auch mehr unserem Empfinden von den Jahreszeiten. Der Sommerbeginn wiederum startet mit der Sommersonnenwende, also dem längsten Tag und der kürzesten Nacht. Auch dieses Datum variiert zwischen dem 20. und 21. Juni. Dieses Jahr (und auch in den 3 nächsten Jahren) ist dies am 21. Juni der Fall. Der Herbst wiederum wird durch die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche angezeigt, der Winter beginnt mit der Wintersonnenwende.

Aber das Finetuning haben wir tatsächlich nur mit den phänologischen Jahreszeiten und deren Beobachtung. Außerdem ist es nach den langen Wintertagen auch gut für die Seele, wenn wir das erste Schneeglöckchen aus der Erde spitzen sehen und wir wissen – der Frühling naht, der Winter vergeht.

Vielleicht magst du für dieses Jahr mal die Natur in deiner Umgebung beobachten und dir sogar anhand von Pflanzen notieren, wann welche Jahreszeit beginnt. Somit bekommst du auch ein besseres Verständnis für deine Umwelt.

Collage mit allen 9 phänologischen Zeigerpflanzen

Alle phaenologischen Zeigerpflanzen von Vorfrühling bis Spätherbst

>> Der Beitrag über das Leberblümchen, das nicht nur eine Zeigerpflanze des Erstfrühlings, sondern auch eine alte, aber vergessene Heilpflanze ist, könnte dich auch interessieren.

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