In meiner Kindheit wurde das Josefibleaml, auch bekannt als Leberblümchen (Hepatica nobilis), immer sehnsüchtig von mir erwartet. Seine leuchtend blau-violetten Blütensterne haben für mich immer Frühlingsbeginn bedeutet. Es ist nicht nur wunderschön anzusehen, es war früher auch eine geschätzte Heilpflanze. Mittlerweile wird es jedoch nicht mehr heilkundlich genutzt. Daher möchte ich es dir kurz vorstellen.

Leberblümchen (Hepatica nobilis)
Standort und Botanik
Die mehrjährige Pflanze wächst in lichten Laubwäldern, die im Frühjahr noch viel Licht auf den Boden durchlassen, bevorzugt auf Kalkböden. Sie schiebt zuerst die ca. 10 cm langen Stängel aus der Erde, an dessen Ende die bezaubernden Blüten in einem leuchtenden Blau-Violett sitzen. Während die Farbe eine deutliche Fernwirkung zeigt, sieht man ihre ganze Schönheit nur, wenn man sich zu ihr bückt. Die blau-violette Farbe hat dem Leberblümchen auch Namen wie Himmelsstern gegeben.
Die Blätter entwickeln sich erst während der Blüte und haben eine ganz charakteristische, dreilappige Form. Diese gab ihm auch seinen deutschen und lateinischen Namen (lateinisch hepar = Leber), da die alten Kräuterkundigen in ihm die Signatur der Leber erkannten.
Für die Insekten ist es, wie alle Frühblüher, eine wichtige Nahrungsquelle.

Blatt des Leberblümchens
Traditionelle Heilkunde
In der Heilkunde wird es auch hauptsächlich bei Leberleiden eingesetzt. Wichtig ist, nur das getrocknete Kraut zu verwenden, da die Pflanze u. a. Protoanemonine enthält, die schwach giftig sind. Bei Kontakt kann es zu Rötungen, Juckreiz oder Blasenbildung kommen. Durch das Trocknen der Pflanze zerfallen diese in ungiftige Bestandteile.
Krankheiten, die mit dem Leberblümchen behandelt wurden, waren insbesondere
- Leberleiden
- Erkrankungen der Galle,
- der Milz und
- der Lunge.
Während die moderne Phytotherapie die Pflanze nicht mehr benutzt und sie in vielen Büchern lediglich etwas abschätzig als Volksheilmittel und giftig bezeichnet wird, war sie bei den alten Kräuterkundigen schon immer eine geschätzte Heilpflanze. Culpeper, ein großer, englischer Arzt und Astrologe des 17. Jhd., erwähnt zusätzlich die Behandlung bei Nierenerkrankungen; ein englischer Name lautet auch kidney- liver-leaf, also Nieren-Leber-Blatt. Culpeper ordnete es Jupiter zu, dem astromedizinisch auch die Leber untersteht. Auch das schöne Blau der Blüten entspricht dem Jupiterblau.
Wissenswertes
Den volkstümlichen Namen hat das Josefibleaml daher, dass es um den Namenstag des heiligen Josephs herum, den 19. März, blüht. Allerdings hat es seinen Blühbeginn in den vergangenen Jahren durch die warme Witterung bereits auf Ende Februar verlegt, da es offensichtlich den Start ins Frühjahr kaum erwarten kann. Auch andere Volksnamen wie Märzblume, Osterbleaml und Vorwitzchen deuten darauf hin. Zusammen mit weiteren Frühblühern wie dem Huflattich, der noch etwas früher blüht, dem verwandten Buschwindröschen und der Schlüsselblume vertreibt es die dunklen Wintergeister und gibt der Seele wieder Zuversicht.
Auch eine magische Wirkung hatte das Leberblümchen – die ersten 3 Blüten, die man findet, sollen vor Krankheit schützen.
Heutige Verwendung
In neuerer Zeit finden das Leberblümchen und seine Zuchtformen zumindest wieder verstärktes Interesse bei den Gartenbesitzern. Vor allem in Japan wird es besonders geschätzt und es werden für die z. T. sehr seltenen Züchtungen äußerst stattliche Summen im Bereich von mehreren tausend Euro bezahlt. Es gibt sie in Weiß, Rosa und in verschiedenen Blautönen, einfach und gefüllt, mit einfarbigen und panaschierten Blättern.

Leberblümchen in 4 Farbvarianten
Geeignete Standorte sind, analog zu ihren natürlichen Standorten, unter Bäumen und Sträuchern, die eher leicht schattigen Plätze. Im Garten mag es als Flachwurzler seine Ruhe haben, dort sollte nicht ständig umgegraben werden. Wenn es ihm an seinem Standort taugt, bildet es mit der Zeit lockere Polster. Meine Leberblümchen wandern am Gartenzaun entlang und überwinden dabei auch die Grenzen zwischen den Grundstücken. Allerdings dauert dies seine Zeit, da das Leberblümchen nur langsam wächst.
Doch bevor die Begeisterung beim nächsten Spaziergang auch auf dich überspringt – das einheimische Leberblümchen ist streng geschützt und darf nicht aus der Natur entnommen werden. 2013 wurde es von der Loki-Schmidt-Stiftung zur Blume des Jahres gewählt. Damit soll auf gefährdete Wildpflanzen und ihren (meist ebenfalls) gefährdeten Lebensraum aufmerksam gemacht werden. Es gibt jedoch Spezialgärtnereien, in denen du die kleinen Schönheiten kaufen kannst.
Wenn du dich für weitere alte, fast vergessene Heilkräuter interessierst, stöbere doch in der folgenden Liste.
Übersicht der vergessenen Heilkräuter
Name | Botanisch |
Leberblümchen | Hepatica nobilis |
Schabzigerklee | Trigonella caerulea |
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